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(GB 2016)

Regie/Buch: Martin Owen

Darsteller: Elizabeth Morris, Kara Tointon, lliot James Langridge, Isabelle Allen

 

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An einem Tag, der morgens damit beginnt, dass man feststellt, dass man von einem vertrauten Menschen bestohlen wurde, mittags einen draufsetzt, in dem man erfährt, dass man seinen Urlaub aufgrund Krankheit eines Kollegen verschieben muss und als nachmittägliches Highlight eine Jungkatze mit Durchfall präsentiert, kann man den Abend kaum besser ausklingen lassen als mit einem nett aussehenden Film bei Netflix.

lets be evil002„Let´s be Evil“ versprach zumindest von der Zusammenfassung intelligente und spannende Unterhaltung, also genau das, was ich nun brauchte um mich von den Gedanken an einen Amoklauf abzuhalten. Zusätzlich hatte ich in der letzten Zeit was englische B-Film-Produktionen betraf eh einen guten Lauf, also was sollte da schon schief gehen.

Die junge Jenny (Elizabeth Morris) nimmt, um die Pflegekosten für ihre bettlägerige Mutter aufzubringen, einen Job an, zu dem es gehört, dass sie sich einige Zeit komplett von aller Kommunikation nach außen fernhält. Das „Non-disclosure-Agreement“ ist schnell unterschrieben und bald findet sie sich in einer unterirdischen Einrichtung wieder, in der sie zwei Kollegen mit ähnlichem Background kennenlernt. Die drei bekommen eine „Augmented Reality“-Brille verpasst und alsbald verändert sich die kahl aussehende Kellerlandschaft in einen von bunten Lichtern erhellten Laborbereich. Die Aufgabe der drei ist recht simpel:

lets be evil005Unterstützt von einer virtuellen Anleitung in Form einer bunt wabernden CGI-Gestalt sollen sie eine Gruppe von Kindern beaufsichtigen, die hier – unter kompletter Abschottung von äußeren Einflüssen – mittels „Augmented Reality“ zu Genies herangezüchtet werden.

Doch schon bald – wir befinden uns schließlich in einem Sci-Fi-Horrorfilm – zeigen sich Lücken im scheinbar perfekten System, geschehen grauselige Dinge und es beginnt für unsere drei Helden ein Kampf ums Überleben und um die Rettung der Kinder.

Der britische Film hatte schon immer ein Faible für Filme, in denen unheimliche Kinder eine Rolle spielte. Man denke hier nur an die Klassiker „Village of the Damned“, „Children of the damned“ oder die inoffizielle Hammer-Fortsetzung „These are the damned“. Auch im Bereich intelligente und ausgefeilte Science Fiction ist der Brit-Touch immer gerne gesehen, was und ja neben dem Klassiker „Doctor Who“ momentan die Anthologieserie „Black Mirror“ immer wieder beweist.

lets be evil003Auch „Let´s be Evil“ erweist sich – zumindest in den ersten 45 Minuten – als durchaus ansprechend. Die – zugegeben billigen – CGI-Effekte sind geschickt eingesetzt, das Setting ist interessant und die Geschichte hat genug Geheimnisse, die man als Zuschauer gerne entdeckt. Die drei jungen Hauptfiguren sind interessant und liebenswert genug, dass man sich gerne auf ihre Seite schlägt und die Art und Weise wie die Kinder präsentiert/behandelt werden, sorgt für einen schönen Kloß im Hals. Man möchte halt gerne erfahren, wer hinter dem Ganzen steckt und was der Sinn hinter dieser aufwendigen und menschenverachtenden Versuchsanordnung ist.

Auch visuell ist dieser kleine Film tatsächlich recht überzeugend, der Kontrast zwischen der kahlen Wirklichkeit und der bunten virtuellen Welt wird schön und unauffällig transportiert und selbst wenn wir viel Zeit damit verbringen durch die „Augen“ unserer Protagonisten zu sehen, so begibt sich „Let´s be Evil“ niemals in die Untiefen eines Found Footage Films.

lets be evil001Selbst wenn in der Mitte des Filmes dann die Scheisse auf den Ventilator trifft ist man noch recht angetan und es entsteht für geraume Zeit eine schöne Gruselatmosphäre ohne überflüssige Jump Scares.

Leider aber stolpert der Film dann kurz vor dem Zieleinlauf komplett und bleibt kurz vor der Line liegen. Es gibt am Ende halt einen – für mich von weitem vorhersehbaren - Plot-Twist, der tatsächlich verzeihbar wäre, wenn er dazu genutzt würde, die offenen Fragen zu klären. Dummerweise aber scheint der Twist als solches den Autoren völlig auszureichen und so wird der Zuschauer ohne Vorwarnung einfach mit einem schicken Song (Kim Wildes „Kids in America“ – in einem deutlich britischen Film) und sozusagen mit dem Gefühl eines „Coitus interuptus“ aus dem Film geworfen.

Das gesamte Gedankengerüst aus offenen und interessante Geheimnissen, das geschickte World Building der ersten Hälfte, der Sog, der den Zuschauer tatsächlich bis zu diesem einen Punkt bei der Stange gehalten hat wird zu Gunsten eines – zugegeben fiesen, aber simplen – Gags aufgegeben. Das ist so, als hätte Darth Vader vor dem Finale von „Star Wars“ in die Kamera geguckt, gesagt „Okay, die Rebellen haben recht, lasst uns den Todesstern demontieren und das Imperium auflösen“ und Lucas hätte seinen Film dann mit „Let´s give peace a chance“ beendet.

lets be evil004Um es mal nett auszudrücken – das ist einfach nur Scheisse. Auf der anderen Seite aber auch ein krönender und passender Abschluß für einen Tag, den ich so schnell wie möglich wieder vergessen möchte. In diesem Sinne, dankt mir für die Warnung oder guckt Euch nur die erste Hälfte des Filmes an und strickt Euch eine eigene – und wahrscheinlich bessere – Auflösung zusammen.


Dia

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