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boogeyquer

(USA 1980)

Regie: Ulli Lommel

Drehbuch: Ulli Lommel, Suzanna Love, David Herschel

Musik: Tim Krog

Darsteller: Suzanna Love, Ron James, John Carradine

 

„The Boogey Man“ ist mir erstmals irgendwann Anfang der Achtziger in der tollen (und komplett unzensierten) Fassung von Mike Hunter-Video in die Hände gefallen, eine Firma, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nur durch die Massen an Pornos kannte, die ich in der Videothek immer ignoriert hatte. Der Film war einer der ersten, mit denen der untriebige Mike, der eigentlich Gerd Wasmund hiess, aus Köln stammte und mit seinem Porno-Imperium, dass auf der Publikation „Happy Weekend“ beruhte Millionen gescheffelt hat, versuchte auch den Mainstream zu bedienen und er hatte da doch tatsächlich ein feines Stück Horrorkino erwischt – zumindest dachten wir das zu dieser Zeit.

Boogey Man 1980006„The Boogey Man“ beginnt genregerecht damit, dass der kleine Willy, vom Liebhaber seiner Mutter, die sich mehr für gläserne und männliche Flaschen interessiert, als für ihren Nachwuchs, geschlagen, geknebelt und ans Bett gefesselt wird, damit er die beiden nicht bei ihrem Schäferstündchen stört. Glücklicherweise ist seine kleine Schwester Lacey hilfsbereit, holt ein übergroßes Messer aus der Küche und befreit ihren Bruder, der daraufhin selbiges zur Hand nimmt und den bösen Lover damit in Hackfleisch verwandelt. Beobachtet wird das Ganze von einem im Schafzimmer hängenden Spiegel, in den der Geist des so verstorbenen dann auch einfährt.

Einen Zeitschnitt später ist Lacey (jetzt gespielt von Suzanna Love) verheiratet und lebt mit ihrem Mann, den Schwiegereltern und dem seit dem unheilvollen Tag stummen Willy (Nicholas Love) auf einer kleinen Farm. Ziemlich genau 20 Jahre sind vergangen und Lacey wird nun von qualvollen Alpträumen und ihrem versteckten Schuldkomplex geplant. Boogey Man 1980005Der hinzugezogene Psychiater (Horrorikone John Carradine in einer späten Rolle) rät dazu das Haus der Tat aufzusuchen und bei diesem Besuch zerschlägt Lacey den unheimlichen Spiegel. Ihr Mann klaubt die Scherben zusammen, packt sie ein und setzt sie in der gemeinsamen Küche wieder zusammen woraufhin eine Mordreihe startet, die durch die Spiegelreste ausgelöst wird.

Nein, ein Drehbuchoscar ist auch hier nicht drin, aber „The Boogey Man“ ist, wenn man die Zeit seines Entstehens betrachtet, tatsächlich ein recht außergewöhnliches Werk. Offensichtlich handelt es sich um einen billigen (das Budget betrug gerade einmal 300.000 $) Schnellschuß, der sich an den Erfolg von „Halloween“ und den damals aktuellen „Friday the 13th“ anhängen wollte. Aber im Gegensatz zu den meisten der damaligen Trittbrettfahrer ist der Film doch recht eigenständig, die Grundidee des mordenden Spiegels war, bei aller Absurdität, zumindest originell und wurde erst in den 2000ern vom koreanischen „Into the Mirror“ und seinem US-Remake „Mirrors“ wieder aufgegriffen.

Boogey Man 1980004Aber, auch das muss man leider mittlerweile zugeben, toll ist der Film nicht so wirklich, obwohl wir ihn damals tatsächlich gefeiert haben. Die Inszenierung von Ulli Lommel, der hier seinen ersten kommerziellen US-Film vorlegte und uns damals hauptsächlich durch seine Arbeiten im Dunstkreis von Rainer-Werner Fassbinder und Andy Warhol bekannt war, ist stocksteif und furztrocken. Deutlich zeigt sich sein mangelndes Talent in Sachen Schauspielerführung, dass in seinen Fassbinder-Filmen (vergleiche hier auch seinen Erstling „Die Zärtlichkeit der Wölfe“) nicht so sehr hervortrat, da er dort auf die Elite der deutschen Theaterschauspieler zuurückgreifen konnte, die eigentlich keinen Regisseur brauchten. Hier allerdings trennt sich – speziell was die Akteure in kleineren Rollen betrifft – die Spreu vom Weizen. Wo Suzanna Love und ihr – auch im realen Leben Bruder – Nicholas zumindest noch wie lebende Menschen reagieren und spielen und John Carradine wie üblich alleine durch seine Präsenz überzeugt, obwohl er natürlich nicht sehr viel zu tun hat, sind nahezu alle anderen Figuren recht hölzern dargestellt, was sich immer sehr deutlich zeigt wenn Emotionen von ihnen verlangt werden. Das große Problem hier ist allerdings, dass man als potentielles Opfer in einem Horrorfilm genau diese zeigen muss.

Boogey Man 1980008Zusätzlich leidet der Film darunter, dass er in keiner Sequenz mal das Tempo ändert. Die gewollte Langsamkeit, die nahezu dokumentarische Bebilderung, die bei Fassbinder und Warhol zum Stil gehörte, passt bei einem eher im Slasher Genre einzuordnenden Werk eher weniger und so kommt keine richtige Spannung auf. Anstatt als Zuschauer ins Geschehen hineingezogen zu werden, fühlt man sich eher als stiller Beobachter, was vielleicht auch daran liegt, dass man den Figuren im Film immer mindestens eine Nasenlänge voraus ist. Bis diese nämlich endlich mal auf die Idee kommen, dass das Unheil in ihrer Umgebung irgendetwas mit dem unheimlichen und teilweise auffällig blinkenden Spiegel zu tun hat, hat dieser die Bewohnerschaft des Ortes bereits um einige dumme Teenager und die Schwiegereltern der Heldin dezimiert.

 

Hervorragend ist allerdings auch noch heute der elektronische Score von Tim Krog, der damals in einer limitierten Auflage auf Vinyl (es gab noch keine CDs!) erschienen ist und zu einem der seltensten Horrorsoundtracks zählt. Dank Youtube könnt ihr Euch den nun beim Lesen des Reviews zu Gemüte führen.

Wie gesagt, Anfang der Achtziger war der Film bei uns recht beliebt und ich habe auch lange Zeit versucht ihn nochmals zu Gesicht zu bekommen. Da er aber recht schnell einer Indizierung zum Opfer fiel[1], war das Videotape lange Jahre kaum verfügbar. Im Zeitalter der DVD allerdings brachte ASTRO den „Klassiker“ wieder heraus, aber auch das ermöglichte mir keinen weiteren Besuch, denn die Qualität der Scheibe war – um es mal nett zu sagen – beschissen. Das Bild war zu dunkel und verrauscht, der Ton piepsig und Extras gab es nicht.

Boogey Man 1980001Erst vor ein paar Wochen konnte ich die definitive Version von 88Films erstehen und auf dieser beruht halt auch diese Kritik. Hier wurde der Film neu gescannt und restauriert und der Ton knallt saftig aus den Boxen, was vor allem in Bezug auf den Soundtrack toll ist. Zusätzlich gibt es auch noch – wie bei 88Films üblich – eine ganze Menge toller Extras, unter anderem ein sehr langes Interview mit Suzanna Love im Booklet. Leider offenbart diese Restauration aber auch weitere Schwächen des Filmes, die in der VHS-Zeit tatsächlich nie aufgefallen waren. So wechselt teilweise mitten in einer Szene komplett die Farbqualität (wahrscheinlich aufgrund des unterschiedlichen Filmmaterials, das der Produktion zur Verfügung stand), manche Einstellungen sind dermaßen von Schlagschatten verunstaltet, dass man sie mit gutem Willen für eine Hommage an den deutschen Expresionismus halten könnte und die damals verwaschenen Spezialeffekte offenbaren in 1080er Auflösung halt auch recht deutlich ihre Künstlichkeit.

88coverZm Ende noch ein kleines Schmankerl am Rande. 88Films, die ja allgemein als einer der besten Publisher im phantastischen Genre gelten, hat sich beim Cover der BluRay einen herrlichen Faux-Pas geleistet und den Titel als „The Bogey Man“ angegeben. Glücklicher Weise gibt es aber auch ein Wendecover mit dem Original-Kinoplakat, was die Peinlichkeit ein wenig abschwächt.

 

dia

[1] Randbemerkung: Die unsägliche Fortsetzung „Boogey Man 2“, dessen Splatterhighlights aus Erinnerungssequenzen des vorliegenden Filmes bestanden, die 1:1 dort hneingeschnitten wurden, fiel sogar einem Filmverbot zum Opfer.



 
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