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(USA/France/Canada 2011)

Regie: Richard Stanley, Buddy Giovinazzo, Tom Savini, Douglas Buck, Karim Hussain,
David Gregory, Jeremy Kasten

Kamera (u.a.): Douglas Buck, Karim Hussain, Jeremy Kasten

Musik (u.a.): Simon Boswell, Mark Raskin

Darsteller: Udo Kier, Virginia Newcomb, Catriona MacColl, André Hennicke, Debbie Rochon,
Tom Savini, Mélodie Simard

 

„I can no longer see,
So I can finally dream…”

Kaniehtiio Horn in "Vision Stains"

 

Episodenfilme sind für einen Filmkritiker immer ein zweischneidiges Schwert, da Licht und Schatten zumeist dabei so nahe beieinander liegen, dass es schwer fällt zu einem eindeutigen Urteil zu kommen. Was bleibt dem armen Schreiberling dann also übrig, als den, aus einzelnen Kurzfilmen zusammengestückelten, Film wieder in dieselben zu zerlegen. Also, ohne lange Vorrede, lasst uns das Werk zerhäckseln.

 

„Theatre Guiniol“

TB01 01Die Rahmenhandlung, in der eine junge Frau in einem seltsamen Theater Platz nimmt und die kommenden Geschichten vom Conférencier Udo Kier erzählt bekommt, kann man eigentlich komplett ignorieren und wie bei nahezu jeder Horroranthologie wünscht man sich recht schnell, dass die Macher es genau so gehandhabt hätten. Sicherlich, das Makeup (Kier tritt zuerst komplett als menschliche Marionette mit „geschnitztem“ Gesicht auf und wandelt sich im Laufe der Episoden immer mehr zum uns bekannten „deutschen Weltstar“ Udo) ist ganz nett und optisch orientiert sich Regisseur Jeremy Kasten, der zuvor das überraschend gute „Wizard of Gore“-Remake inszeniert hatte, am italienischen Film der achtziger, aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst dem dümmsten Zuschauer die kommende Schlußpointe des Ganzen bereits nach zwei Minuten klar wird.

 

„The mother of toads“

TB01 02Als erste richtige Episode präsentiert uns Richard Stanley eine „lovecraftige“ Geschichte über ein junges amerikanisches Pärchen, dass auf einem kleinen Markt in der französischen Provinz bei einer seltsamen alten Frau (Kultstar Catriona MacColl) ein antikes Paar Ohrringe kauft, dass mit okkulten Symbolen beschriftet ist. Die Alte lädt die beiden ein in ihrer einsamen Hütte noch weitere seltene Exponate – unter anderem das Necronomicon – zu besichtigen, was vor allem unseren Helden, der einen Hang zum Mystischen hat neugierig macht, so dass er alleine dorthin geht. Natürlich hat das negative Folgen, die Alte setzt ihn unter Drogen und verführt ihn. Diese gleichzeitig abstoßende und visuell interessante Sexszene wird von der Freudin des Helden beobachtet was tödliche Konsequenzen hat.

TB01 03Auch wenn Stanley (Hardware, Dust Devil), mit der Hilfe von Kameramann Karim Hussain, wieder einmal wunderschöne und atmosphärisch starke Bilder findet, leidet der Film – wie alle seine Werke - auch darunter, dass es ihm einfach nicht gelingt mit all den tollen Mitteln auch nur den Hauch von Spannung zu erzeugen und auch seine Schwächen in der Schauspielführung werden hier wieder offensichtlich.

Nicht wirklich schlecht, aber sicherlich eine Episode, die ich beim nächsten Mal überspringen werde.

 

„I love you“

TB01 04Buddy Giovinazzo, der seine Karriere mit dem großartigen und amerikakritischen „Combat Shock“ begonnen hat und seinem Heimatland zu Gunsten von Deutschland den Rücken gekehrt hat, ist mittlerweile hier als Regisseur überdurchschnittlicher Krimis und Bestsellerautor bekannt. So spielt seine Episode auch in Berlin und ist in einem „deutsch-nüchternen“ Stil und der damit verbundenen Humorlosigkeit inszeniert. Das ist allerdings nicht negativ zu sehen, denn die Geschichte um Axel (André Hennicke) der zu Beginn mit einer tiefen Schnittwunde in der Hand, blutverschmiert und ohne Erinnerung in seinem Badezimmer aufwacht, entpuppt sich als eine wirklich fiese Beziehungsgeschichte mit einer knackigen und blutigen Schlußpointe.

TB01 05Diese Episode bietet halt solides Handwerk und das ist es leider auch, was Buddy in den letzten Jahren regelmäßig abliefert. Ebenso wie bei Stanley hat man das Gefühl, dass sein Talent schlummert und darauf wartet wieder erweckt zu werden. Man gebe dem Mann mal wieder ein kleines Budget und freie Hand...ach ich träume wohl nur. Was uns gleich zum nächsten Kurzfilm bringt.

 

In „Wet Dreams“

TB01 06wird Donnie, ein untreuer und gewalttätiger Ehemann, von bösen Kastrationsträumen geplagt. Auch sein Psychiater (Tom Savini) kann ihm da nicht wirklich helfen, speziell nicht da Donnie mit dessen Frau fremdgeht. Aber der fiese Bursche erhält durch seine Frau (Debbie Rochon) und den netten Tom dann auch noch seine gerechte Strafe und der Zuschauer endlich die dem Film bis zu diesem Zeitpunkt fehlende erste Splatterorgie.

Tom Savini, der in den späten 70er und den 80er Jahren des letzten Jahrhundert definitiv der kreativste und beste Latexjongleur im amerikanischen Splatterfilm war, versucht ja seitdem diesem Image zu entfliehen und sich als Schauspieler und Regisseur zu betätigen. Schauspielerisch hat er auch einige „Naja“-Performances in Filmen wie „From dusk till dawn“ oder „Planet Terror“ abgeliefert und auch hier fällt er zumindest nicht negativ auf. Zusätzlich führt er bei „Wet Dreams“ aber auch mal wieder Regie und – wie schon bei seinem vielleicht bekanntesten Regiewerk, dem Remake von „Night of the living dead“ – kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.

TB01 07Die Episode ist voll mit rabenschwarzem Humor, die Geschichte wird flüssig und ohne viele Erklärungen erzählt und schafft es ihre drei Hauptfiguren lebendig werden zu lassen. Wenn es dann blutig wird (und das geschieht recht oft), dann merkt man deutlich, dass Savini weiß, wie man einen Special-Effekt zu inszenieren hat, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.

„Wet Dreams“ ist ein feines kleines Splatterkabinettstückchen, dass die Vorfreude auf Savinis angekündigtes „Nightmare City“ (Großangriff der Zombies) Remake noch erhöht.

 

„The Accident“

TB01 09Douglas Buck, der eher als Editor bekannt ist und auch für „Wet Dreams“ und die beiden noch folgenden Episoden in dieser Funktion verantwortlich war, legt mit diesem, gerade mal 10 Minuten langen, Filmchen die wohl kontroverseste Episode des gesamten Filmes hin. „The Accident“ kann man einfach nur lieben oder hassen – bei popcornknirschenden „Conjuring-Fans“ wird wohl eher letzteres der Fall sein.

Erzählt wird die Geschichte eines 5-jährigen Mädchens, das mit seiner Mutter im Auto unterwegs ist, während man aus dem Off einem Dialog der beiden zuhören kann, der mit den Worten „Why are people dying, Mommy?“ beginnt. Die beiden werden von zwei Motorradfahrern überholt, die die Kleine freundlich grüßen. Eine Kurve später wartet das Grauen – eines der Motorräder wurde durch einen die Straße überquerenden Hirsch in einen schrecklichen Unfall verwickelt. Der Fahrer des Zweirades ist offensichtlich tot, der andere sitzt in Schockstarre, aber unverletzt am Straßenrand, das den Unfall verursachende Tier liegt – offensichtlich unter Todesqualen – auf der Straße.

Wir sehen diese Situation durch die Augen des Mädchens und kehren in Zwischenschnitten immer wieder zu dem oben bereits angesprochenen Dialog zurück, der sichtlich am Abend des selben Tages im Kinderzimmer stattfindet und in der die Mutter versucht dem Kind das traumatische Erlebnis leichter zu machen.

Offensichtlich haben wir es hier nicht mit einem typischen Horror-Kurzfilm zu tun, obwohl er eine wirklich unangenehme Splatterszene zu bieten hat, die – wie bereits gesagt – aus Sicht des Kindes gezeigt und deshalb auch unrealistisch grausam wirkt. Der Horror ergibt sich eher aus der Traumatisierung des Kindes, die der Film ganz geschickt und subtil durch ihre Realtionen und den gleichzeitig ablaufenden später stattfindenden Dialog verdeutlicht, in dem klar wird, in welcher Form sich die Kleine mit dem Gesehenen auseinandersetzt und auch zur selben Zeit die Hilflosigkeit der Mutter verdeutlicht wird.

TB01 08Diese Episode wird in den diversen Kritiken immer als „Langweilig“ und „nicht passend“ abgetan. Ersteres zeugt definitiv davon, dass die Rezipienten nicht in der Lage sind sich auf eine Geschichte einzulassen, die mehr erfordert als stumpfes Zugucken, bei zweiterem muss ich sogar zustimmen, denn aufgrund ihrer düsteren Grundstimmung passt sie tatsächlich nicht in den Film.

Als einzelnes Werk beurteilt ist sie aber der bei weitem beste Kurzfilm der gesamten Sammlung, sowohl schauspielerisch, als auch von der technischen Seite.

 

„Vision Stains“

TB01 11WARNUNG – Menschen mit einer Spritzenphobie oder Problemem mit Augengewalt sollten diese Episode überspringen.

Karim Hussain, der auch bei „Mother of Toads“, „Wet Dreams“ und „The Accident“ für die herausragende Kamerarbeit verantwortlich war, regissiert hier einen Kurzfilm, der sich mit dem Sehen beschäftigt und die Grundidee von Argentos „Four flies on grey velvet“ eine Spur weiter spinnt.

Einfach gesagt geht es um eine junge Frau, die eine Möglichkeit gefunden hat im Moment des Todes die gesamte Lebens- und Leidensgeschichte eines Menschen in sich aufzunehmen. Um das zu erreichen muss sie natürlich dafür sorgen, dass diese Menschen in ihrem Beisein sterben. Als sie an ein schwangeres potentielles Opfer gerät wird sie experimentierfreudig.

TB01 10Hier haben wir es mit einem handfesten Splatterfilm zu tun, der mit sicherer Hand inszeniert ist, durch den flotten Schnitt von Douglas Buck die Sequenzen, in denen die Leben der anderen an unserer Antiheldin vorbeiziehen zu einem visuellen Genuss macht und der in Sachen Schockszenen die Schraube gewaltig anzieht, so dass es doch sehr verwundert, dass der Film in dieser Form im Jahre 2012 die deutschen Videotheken erreichte.

Mit Sicherheit kein Film für den Kindergeburtstag...

 

„Sweets“

TB01 12Zum Abschluß präsentiert uns Musikvideoregisseur David Gregory noch was schönes ekliges, einen Kurzfilm über eine Beziehung, die ganz alleine auf Nahrungsaufnahme in extremster Form definiert wird. Hier wird mit Genuss in verfaulten Lebensmitteln gewühlt, wird mittels Trichter gefüttert, gekotzt (und dann wieder gegessen) und am Ende noch Halal geschlachtet. Ein zynischer Blick auf eine Parallelwelt, die deutlich an egozentrische Kunstliebhaber und die Küsschen-Küsschen-Gesellschaft angelehnt ist und des Regisseurs Meinung zu diesen in Ekelbilder umsetzt.

Stylische Bilder (wie gesagt, Gregory kommt vom Musikvideo), tolle schauspielerische Leistungen und eine ironische Grundeinstellung machen den Kurzfilm zu einem gelungenen Abschluss der Sammlung.

TB01 13Wie eingangs bereits angesprochen liegen bei solchen Anthologien das Gute und das Schlechte nahe beieinander, aber „Theatre Bizarre“ schafft es zumindest, den Zuschauer bis zum Ende bei der Stange zu halten und steigert sich tatsächlich nahezu durchgängig. Sicherlich ist für mich „The Accident“ die stärkste Episode, am unterhaltsamsten ist aber tatsächlich die letzte, die einen mit einem fiesen Grinsen aus dem Film entlässt, bevor dann, die vorhersehbare und glücklicherweise sehr kurze, Schlusspointe der überflüssigen Rahmenhandlung in den Nachspann leitet.

So ist das bizarre Theater eine nette kleine Addition für jede Horror- und Splattersammlung – sicherlich nicht weltbewegend, aber mit einigen Bildern, die lange im Gedächtnis bleiben und das ist in einer Zeit, in der man kurz nach dem Sehen eines typischen Hollywood-Blockbusters bereits alles wieder vergessen hat, schon eine ganze Menge.

Austesten...

dia

 


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